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Haarausfall: Was Männern hilft

Wenn die Geheimratsecken auftauchen, lassen sich Männer auf allerlei zweifelhafte Mittelchen ein. Nachweislich wirksam sind aber nur drei Methoden
von Dr. Reinhard Door /Apotheken Umschau, aktualisiert am 17.10.2016

Wird das Haar lichter? So mancher Mann versucht dagegen anzukämpfen

Your Photo Today/Phanie

Vampir-Lifting nennt sich eine Methode, die Frauen eine straffere Haut mit geglätteten Falten verspricht. Sie lassen sich dafür eigenes, aufbereitetes Blut unter die Gesichtshaut spritzen.

Nun haben sich die Ästhetik-Chirurgen die Männer als neue Zielgruppe auserkoren. Bei diesen soll die Eigenblut-Therapie die Haarwurzeln stimulieren und die Haare sprießen lassen. Dafür seien allerdings mehrere Sitzungen nötig. Für die Ärzte ein einträgliches Geschäft. Wissenschaftliche Beweise für die Methode? Keine. 

Haarausfall kratzt am männlichen Selbstbewusstsein

Dennoch könnte das Kalkül der Schönheitsoperateure aufgehen. Bemerken Männer den Schwund auf dem Kopf, zumal in jungen Jahren, leidet schnell das Selbstwertgefühl. Und freiwillig lassen sich überwiegend jene eine Vollglatze scheren, die den Kampf ohnehin schon verloren haben. Die Mehrheit tickt anders: Geheimratsecken lässt sie sich noch gefallen, aber ein kahler Kopf geht bei eitlen Männern gar nicht.

Die Not der Männer machen sich findige Verkaufsstrategen zunutze. Ob Haarwässer, Vitamintabletten, Heilkräuter, Botoxspritzen, Shampoomassagen, Koffein oder Lasertherapie – für zweifelhafte Angebote zückt mancher bereitwillig den Geldbeutel. Dumm nur, dass meistens der Erfolg ausbleibt.

Minoxidil: Blutdruckmedikament als Haarwuchsmittel?

Nachgewiesen wirksam, und auch das nicht bei jedem, sind lediglich zwei Medikamente und die Haartransplantation. Bezahlen muss man hier freilich selbst. Die erste Methode wurde zufällig entdeckt. Anfang der 70er-Jahre kam der Wirkstoff Minoxidil zur Behandlung von Bluthochdruck auf den Markt. Er ist heute noch als Reservemedikament für diese Anwendung zugelassen. Doch vor allem Frauen klagten bald über eine unerwünschte Nebenwirkung: Die Tabletten ließen verstärkt Haare fast am gesamten Körper wachsen.

Hersteller machten sich dies zunutze. Sie produzierten Lösungen und Schäume, die auf den Kopf aufgetragen werden und im Normalfall nur dort wirken. Männer können sich eine fünfprozentige Lösung oder Schaum zweimal täglich in das lichte Haar reiben. "Man sollte früh damit anfangen, dann lässt sich der Haarausfall stoppen", sagt der Dermatologe Dr. Andreas Finner, niedergelassener Spezialist für Haarmedizin und -transplantation in Berlin. "Oft gibt es sogar eine Verbesserung."

Ein Wunder, das legen Studien nahe, sollte man jedoch nicht erwarten. Meist verdickt und vergrößert sich vorhandener Flaum. Bis dies sichtbar wird, vergehen Monate. Die Tagesdosis des rezeptfreien Mittels kostet rund einen Euro. Mögliche Nebenwirkungen sind Haarwuchs an unerwünschten Stellen, Kopfhaut-Reizungen oder eine Allergie. Nur sehr selten sinkt bei örtlicher Anwendung der Blutdruck stark, verbunden mit Schwindel und Herzklopfen.

Mittel gegen Prostatavergrößerung hemmt den Haarausfall

Auf längere Sicht für wirksamer hält Finner den Wirkstoff Finasterid (Tageskosten: rund zwei Euro). Die rezeptpflichtigen Tabletten greifen in den Mechanismus ein, der die Haare bei vererbter Empfindlichkeit ausfallen lässt. Der Grund ist das "Männerhormon" Testosteron, das vor Ort in das viel wirksamere Dihydrotestosteron umgebaut wird.

Diese Umwandlung hemmt Finasterid, wenn auch nicht vollständig. Dadurch bremst der Wirkstoff, der in höherer Dosierung gegen das gutartige Prostatasyndrom eingesetzt wird, den Haarausfall – und lässt bei etwa drei Vierteln der Behandelten im Schnitt rund 17 zusätzliche Haare pro Quadratzentimeter sprießen, so zumindest das Ergebnis einer Studie mit mehr als 1500 Teilnehmern. Für eine bleibende Wirksamkeit muss es ebenso wie Minoxidil dauerhaft angewendet werden.

Kritische Auswirkungen auf Hormonhaushalt und Sexualität

Finasterid hat in geringerem Maß jene Nebenwirkungen, die auch von der Prostatatherapie bekannt sind. Es lässt bei weniger als einem von 1000 Männern die Brüste wachsen und schmerzen. Die Europäische Arzneimittelbehörde kann nicht völlig ausschließen, dass es bei Männern in extrem seltenen Fällen Brustkrebs verursacht.

Am häufigsten sind andere Begleiterscheinungen: Bei etwa einem von 50 Behandelten lässt die Lust auf Sex oder die Erektion nach, auch die Fruchtbarkeit ist möglicherweise beeinträchtigt.

Was Haartherapeuten für akzeptabel halten, finden andere Ärzte bedenklich. Der pharmakritische "Arzneimittelbrief" fordert sogar, Finasterid für die Anwendung an den Haaren die Zulassung zu entziehen. Bei einer rein kosmetischen Therapie sei ein tiefes Eingreifen in den Hormonhaushalt samt Nebenwirkungen nicht zu vertreten.

Haartransplantation: Haarwuchs ohne Hormone

Wer dieser Argumentation folgt oder bei wem die Medikamente nicht wirken, dem bleibt eine dritte Lösung: Eine Haartransplantation macht das Problem vorübergehend oder sogar dauerhaft vergessen. Seit sich Prominente dazu bekannt haben, ist das Verpflanzen von Eigenhaar salonfähig geworden.

Zwei Methoden haben sich dabei durchgesetzt. Beide haben Vor- und Nachteile. Die Streifentechnik ist billiger. Wer sie wählt, verrät sich nicht wochenlang durch eine Stoppelglatze, weil nur ein schmaler Streifen rasiert wird und sich die Naht mit Haaren überdecken lässt. Es bleibt allerdings eine bei rasiertem Schädel gut sichtbare Narbe.

Eine gestörte Wundheilung oder eine Entzündung ist bei beiden Techniken zwar möglich, aber selten. Das liegt daran, dass die Kopfhaut sehr gut durchblutet ist, was die Heilung fördert. "Bei der Einzelhaartechnik verursacht man eine viel größere Wunde, weil auf einer größeren Fläche zahlreiche kleine Löcher gestochen werden", erläutert der Chirurg Dr. Frank Neidel, der in Düsseldorf eine Praxis für Haartransplantation betreibt.

Haarfollikel werden verpflanzt

Weil nicht alle Haare hormonempfindlich sind, behalten Männer mit starkem Haarausfall in aller Regel einen Haarkranz am Hinterkopf. Rund die Hälfte der Haare aus diesem Bereich lässt sich entnehmen, ohne dass es auffällt. In der Summe sind das 4000 bis 7000 "follikuläre Einheiten" mit einem bis fünf Haaren, die nach vorne verpflanzt werden können – bei vollem Bewusstsein unter örtlicher Betäubung.

Allerdings passiert dies selten in einer einzigen Sitzung. "Je jünger die Patienten kommen, desto wichtiger ist es, für fortschreitenden Haarausfall eine Reserve parat zu haben", erklärt Neidel. Verpflanzungswillige sollten wissen, dass die Transplantate sich nicht so dicht setzen lassen wie im natürlichen Zustand. "Je nach Haardichte, Durchblutung und Größe der Kahlfläche verpflanzen wir 10 bis 40 Einheiten pro Quadratzentimeter", sagt Neidel. Natürlich wären 80 bis 100.

Zwischen 3000 und 8000 Euro zahlen seine Patienten je nach Aufwand für den Eingriff. Es gibt sowohl billigere als auch teurere Angebote. Wem der Eingriff dies wert ist, sollte aber vor allem auf die Erfahrung des Arztes achten. Auch wenn Chirurgen wie Neidel die Operation sehr nüchtern schildern: Verharmlosen sollte man den Eingriff nicht. Die Wunden bluten, und es bildet sich Wundschorf. Dieser ist sogar erwünscht, weil er verhindert, dass die Transplantate verrutschen oder ausfallen.

Auch transplantierte Haare dünnen aus

Drei bis vier Tage nach dem Eingriff sehen Behandelte aus "wie nach einem Boxkampf", räumt Neidel ein: Die Augen sind zugeschwollen, die Gesichtsfarbe ist hochrot. Kein Grund zur Beunruhigung, versichert er: "Nach spätestens zwei Wochen ist das überstanden."

Im Prinzip wächst verpflanztes Haar lebenslang. Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Von den follikulären Einheiten, die oft aus mehreren Haaren bestehen, bleibt mit zunehmendem Alter vielfach nur noch das kräftigste stehen. Ein gewisses Ausdünnen ist also im Spätverlauf der Transplantation unvermeidlich.

Doch vielleicht legt Mann spätestens dann keinen besonderen Wert mehr auf volles Haar. Wie wichtig dieses ist, sollte er ohnehin hinterfragen. Nicht jeder sieht mit Glatze älter aus, eher unterstreicht sie den Typ und verleiht vielen Männern ein gewisses Sexappeal. Wer zur Glatze steht, strahlt Selbstbewusstsein aus, gar Macht und Dominanz, wie Forscher kürzlich aus einer Studie schlossen. Egal ob man den Schauspieler Bruce Willis mag oder nicht: Wer kann ihn sich schon mit wallender Mähne vorstellen?



Bildnachweis: Your Photo Today/Phanie

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