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Was bringen Wimpernseren?

Lange, dichte Wimpern gelten als jugendlich und betörend. Ein Wimpernserum soll da nachhelfen. Hautarzt Dr. Klaus Hoffmann sagt, was dran ist
von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 21.12.2016

Wimpern dienen dem Schutz der Augen – und können außerdem ein Hingucker sein

Plainpicture/Julian Winslow

Ein Augenaufschlag sieht mit vollen, dichten, geschwungenen Wimpern besonders beeindruckend aus. Kein Wunder, dass Mascaras seit der Antike begehrte Kosmetikartikel sind. Wer stärker nachhelfen will, klebt sich künstliche Wimpern an. Auch Kosmetikerinnen locken mit Extensions für die Wimpern. Gibt es ein Wundermittel, das all diese Maßnahmen überflüssig macht? 2008 brachte die erste Firma ein Wimpernserum auf den Markt, inzwischen gibt es über 20 verschiedene Seren. Der Preis liegt meist im oberen zweistelligen Eurobereich. Laut den Herstellern regen diese Seren das Wachstum der Wimpern innerhalb kurzer Zeit deutlich an. Täglich aufgetragen, sollen ab etwa vier bis sechs Wochen erste Erfolge zu sehen sein.

"Die meisten Produzenten setzen dabei auf Varianten des Gewebshormons Prostaglandin", erklärt Hautarzt Dr. Klaus Hoffmann, Leiter der Abteilung ästhetisch-operative Medizin im Universitätsklinikum Bochum. Dass diese Substanzen die Haare an den Lidrändern anregen, entdeckten Patienten per Zufall, als sie wegen eines Grünen Stars Augentropfen mit dem Prostaglandin Bimatoprost erhielten. Als Nebenwirkung sprossen bei ihnen die Wimpern in die Länge. Angeblich verlangten manche Patienten deshalb sogar weiterhin die Augentropfen, obwohl ihr Augendruck wieder normal war.

Prostaglandine in Wimpernseren
Unter anderem kommen folgende Wirkstoffe in den Seren vor:

  • Bimatoprost
  • Isopropyl-Cloprostenat
  • Dechloro-Dihydroxy-Difluoro-Ethylcloprostenolamid
  • Methylamido-Dihydro-Noralfaprostal

Verlängerte Wachstumsphase

Wer das Serum aufträgt, sollte erst die Augenpartie von Make Up säubern und anschließend die Flüssigkeit mit einem feinen Pinsel oder einer Bürste verteilen. In Hoffmanns Klinik probierten in etwa zwanzig Krankenschwestern ein Wimpernserum aus. Tatsächlich stellten sich nach wenigen Wochen die erhofften Veränderungen ein. "Offenbar verlängert sich die Wachstumsphase, sodass mehr Wimpern gleichzeitig nebeneinander auftreten und sie auch stärker in die Länge wachsen", sagt der Dermatologe. Gleichzeitig wurden die Wimpern geschwungener. Diese Veränderungen blieben bei denjenigen, welche die Behandlung fortsetzten, auch eineinhalb Jahre nachher bestehen. Haben die Wimpern die gewünschte Länge, reicht es Anwenderberichten zufolge, das Serum alle zwei bis drei Tage anzuwenden.

Mehrere Studien aus China, Italien und den USA bestätigen dichtere und längere Wimpern unter Bimatoprost im Vergleich zu Kontrollgruppen, die ein Serum ohne Wirkstoff erhielten. Die Studienteilnehmer fühlten sich attraktiver und hatten dadurch mehr Selbstvertrauen.

"Ich gehe davon aus, dass die Seren auf zellulärer Ebene wirken", sagt Hoffmann. Vermutlich würden die Haarfollikel stärker aktiviert. Diese Haarfollikel bilden die Wimpern. "Deshalb sollten die Wimpernseren eigentlich als Medikamente behandelt werden und nicht als Kosmetika." Während bei Medikamenten die Wirkstoffmenge aufgeführt werden sowie auf mögliche Neben- und Wechselwirkungen hingewiesen werden muss, sind diese Angaben bei Kosmetika nicht verpflichtend.

Nebenwirkungen sind möglich

Nach Hoffmanns Einschätzung sind die Nebenwirkungen der Produkte höchst unterschiedlich. Bei den von ihm geprüften Seren gab es erstaunlich wenige. Einige Hersteller geben aber von sich aus an, dass zum Beispiel Kopfschmerzen sowie brennende und tränende Augen auftreten können. Die Studien berichten auch von gelegentlichem Juckreiz und geröteten Augen. "Ob das Serum brennt, kann einerseits vom pH-Wert der Flüssigkeit abhängen, und andererseits von vorher bestehenden Hauterkrankungen wie beispielsweise Neurodermitis", sagt Hoffmann. Je weniger der pH-Wert des Serums vom pH-Wert der Stelle abweicht, an der es aufgetragen wird, desto weniger brennt es allgemein.

Darüber hinaus kommt es vor, dass sich die Haut am Ansatz der Wimpern dunkler färbt. Auch die Wimpern selbst können sich verfärben. Wenn Prostaglandine als Augentropfen gegen das Glaukom angewendet werden, färbt sich auch gelegentlich die Iris dunkel. Es gibt außerdem einzelne Schilderungen von vorübergehenden Sehstörungen, die bei der Anwendung von Wimpernseren auftraten. "Studien zeigen allerdings, dass bei fachgemäßer Anwendung am Rand des oberen Lids keine erheblichen Konzentrationen der Stoffe ins Auge selbst gelangen", so der Experte. Wer Wimpernseren anwendet, sollte dennoch genau beobachten, ob Nebenwirkungen auftreten. Mögliche Langzeitfolgen sind bisher noch nicht absehbar.

Allergien nicht ausgeschlossen

Ebenso seien allergische Reaktionen wie auch bei anderen Hautpflegeprodukten möglich, ergänzt Hoffmann. Deshalb sollte man bei stärkerem Brennen oder Jucken die Behandlung abbrechen und sich medizinisch beraten lassen. Die allergische Reaktion muss nicht zwangsläufig gegen die Prostaglandine selbst gerichtet sein. Denn als weitere Substanzen beinhalten die Seren auch eine ganze Reihe von Pflegestoffen, wie zum Beispiel Panthenol oder Biotin.

In Schwangerschaft und Stillzeit rät der Hautarzt vom Einsatz der Wimpernseren ab, um jedes mögliche Risiko für das Kind zu vermeiden. Auch Minderjährige und Patienten, die eine Chemotherapie erhalten, wenden laut Herstellerangaben die Wimpernseren besser nicht an. Wer beispielsweise eine Hauterkrankung hat und sich unsicher ist, befragt am besten den Hautarzt seines Vertrauens.

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Bildnachweis: Plainpicture/Julian Winslow, Universitätsklinikum Bochum

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