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Erste Hilfe bei Sonnenbrand

Kühlen, Cremen, Trinken. Wie Sie Ihre Haut nach einem Sonnenbrand am besten versorgen. Außerdem: Warum ist es eigentlich so schädlich, wenn man sich verbrennt?
von Sophie Kelm und Dr. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 17.10.2016

Ein Sonnenbrand tut nicht nur weh, sondern ist auch Gift für die Haut

Thinkstock/iStockphoto

Warme Sonnenstrahlen streicheln die Haut vom Gesicht bis zu den Zehen. Ein herrliches Gefühl. Aber Vorsicht: UV-Strahlung ist ein Karzinogen, also ein Krebserzeuger, erster Klasse. "Da Licht und Wärme oft positive Gefühle auslösen, vergisst man leicht die Gefahr der UV-Strahlen und hält sich zu lange in der Sonne auf", warnt Ina Stelljes, Sprecherin des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS). Die Internetseite des BfS informiert deshalb auch im Sommer 2015 über den voraussichtlichen UV-Index der nächsten Tage. Der UV-Index gibt die Stärke der sonnenbrandwirksamen Strahlung im Freien an: von niedrig (0 bis 2) bis extrem (11 und mehr).

Abläufe in der Haut bei Sonnenbrand

"Sonnenbrände sind Gift für die Haut", erklärt Dr. Ralph von Kiedrowski, Hautarzt in Selters und Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD). Bekommt die Haut zu viel UV-Strahlen ab, können die Zellen stark geschädigt werden. "Vor allem die UV-B-Strahlung verursacht in den Zellen der Oberhaut jede Menge DNA-Schäden", ergänzt Professor Eckhard Breitbart von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) und verweist auf folgende Grafik:

Schema der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention zur Entstehung von Sonnenbrand

Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e.V.

War die UV-B-Dosis gering, schaffen es körpereigene Reparaturmechanismen noch, die geschädigten Zellen zu heilen. "Bleibt jemand aber längere Zeit in der Sonne, übersteigen die Schäden die Kapazität des Reparatursystems", sagt Breitbart. "Dann gehen die Hautzellen teilweise kaputt. Der Körper erkennt das und lässt die Zellen gezielt absterben – in einem Vorgang, der Apoptose genannt wird." Die sterbenden Zellen schütten Botenstoffe wie Interleukine aus. Diese bewirken unter anderem, dass sich die kleinsten Blutgefäße erweitern. So kommt die Rötung beim Sonnenbrand zustande. Die vermehrte Durchblutung bringt außerdem weiße Blutkörperchen in die geschädigten Hautbereiche. Sie räumen die todgeweihten Zellen weg. Das geht mit den typischen Beschwerden beim Sonnenbrand einher: Schwellung, Schmerzen und Hitzegefühl, ausgelöst durch die lokale Entzündung.

Dauer des Sonnenbrandes

Etwa sechs Stunden nach Beginn eines zu langen Sonnenbads spüren Betroffene den Sonnenbrand. Am heftigsten ist er nach 24 bis 36 Stunden. Hat es einen stark erwischt, bilden sich Blasen. Dabei gehen so viele Zellen zugrunde gehen und verlieren den Zusammenhalt, dass sich innerhalb der Stachelzellschicht der Oberhaut Gewebsflüssigkeit sammelt. "Diese schlaffen Blasen reißen meist schnell ein, so dass der Sonnenbrand nach außen hin nässt", erläutert Breitbart. Nach etwa zweieinhalb Tagen beginnt die Haut sich zu schälen. Diese Abschuppung ist ein Zeichen der Heilung. Sie signalisiert, dass nun in der Oberhaut ausreichend viele geschädigte Zellen zugrunde gegangen sind. Bis zum vollständigen Abklingen des Sonnenbrands kann es ein bis zwei Wochen dauern.

UV-A-Strahlen, wie sie vermehrt in Solarien vorkommen, tragen zwar weniger zum Sonnenbrand bei. Sie dringen aber noch tiefer als UV-B in die Haut ein. "In der Tiefe zerstören sie Kollagen und die elastischen Fasern, welche die Haut straff und unter Spannung halten", berichtet Breitbart. Deshalb fördern UV-A-Strahlen die Faltenbildung.

Verbrannt – und nun?

"Bei einem Sonnenbrand gilt als erstes: raus aus der Sonne", empfiehlt Hautarzt von Kiedrowski. Dann heißt es: kühlen. Zum Beispiel unter der Dusche oder mit feuchten Handtüchern. Aber Vorsicht! Falls Sie durch die Sonne sehr erhitzt sind oder unter Herz-Kreislauferkrankungen leiden, sollten Sie das Kühlen lieber mit lauwarmem Wasser statt mit kaltem beginnen. Bei Kindern ebenfalls achtsam vorgehen, sie unterkühlen leichter als Erwachsene. Der Hautarzt rät auch zum vorsichtigen Gebrauch von Coolpacks: "Legen Sie immer ein Tuch zwischen die Kältequelle und die Haut. Das verhindert Erfrierungen." Nach der Erstversorgung kühlen später spezielle Lotionen die verbrannten Stellen.

Hausmittel bei Sonnenbrand?

Breitbart rät bei manchen Hausmitteln, die beispielsweise im Internet gegen Sonnenbrand empfohlen werden, zur Vorsicht: "Zitrone, Apfelessig oder Salz sind für die geschädigte Haut eher eine Foltermethode." Umschläge mit kaltem Tee oder Quark hingegen wirken, weil sie genauso kühlen wie Wasser. "Sie können also genauso gut gleich Wasser verwenden, was in der Regel schneller zur Verfügung steht und weniger Umstände bereitet", lautet Breitbarts Tipp.

Genügend Wasser zu trinken ist eine weitere sinnvolle Maßnahme bei sonnenverbrannter Haut. Außerdem: "Gegen die Schmerzen können entzündungshemmende Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen helfen", erklärt Dermatologe von Kiedrowski. Kindern mit Sonnenbrand sollten Eltern jedoch nie einfach Medikamente geben, sondern immer Rücksprache mit dem Kinderarzt halten. Mit einem starken Sonnenbrand oder wenn man unsicher ist, sollten Betroffene – unabhängig vom Alter – immer zum Arzt gehen. Der Fachmann sieht, ob eine spezielle Behandlung nötig ist.

Schäden im Erbgut

Das Tückische an einem Sonnenbrand: Auch wenn er verheilt ist und nichts mehr weh tut, können Folgen zurückgeblieben sein. "Die UV-Schäden betreffen vor allem die Basalmembran der Haut. Das ist der Ort, an dem sich neue Hautzellen bilden", erklärt von Kiedrowski. Bei Sonnenbrand, hohen, langanhaltenden oder sehr häufigen UV-Bestrahlungen kann es sein, dass die Erbgut-Reparatursysteme die Fehlerbeseitigung nicht zu 100 Prozent bewältigen. Einige DNA-Schäden bleiben bestehen. "Das kann im Laufe des Lebens zu Hautkrebs führen", erklärt Stelljes.

Verhindern Sie einen Sonnenbrand!

Deswegen ist es immer besser vor- als nachzusorgen. Also nicht zu lange in die Sonne gehen und die Haut durch Sonnencreme und vor allem Kleidung schützen. Auch den Sonnenschutz für Augen und Kopf nicht vergessen – und Sonnenbrille und Hut wirklich tragen. Mittags ist die UV-Stahlung so stark, dass man sich grundsätzlich im Schatten aufhalten sollte.



Bildnachweis: Corbis/Jim Reed/Science Faction, Fotolia/Arena Creative, Thinkstock/iStockphoto, Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e.V., Corbis/IAN HOOTON/SCIENCE PHOTO LIBRARY
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